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„Das Buch ist der bessere Film“ – Junger Spross der Erfurter Herbstlese gedenkt an Michael John

by ritzinger on Dezember 14th, 2011

Der tragisch verstorbene Geschäftsführer der Erfurter Herbstlese, Michael John, hatte vor Jahren mit der Spätlese begonnen, junge Autoren zu fördern. Der junge medien thüringen e.V. und Ryo als Moderator lassen dieses Erbe wieder aufleben. Mit neuen Blüten des literarischen Nachwuchses sowie Norman Sinn als Ehrengast bereiten sie nächsten Freitag Frühlingsgefühle im Dezember.

Von Niklas PHILLIP

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Vor sechs Jahren machte Michael John den Weg frei für die Erfurter Spätlese. Neben den vielen prominenten und professionellen Autoren sollte die Erfurter Herbstlese mit einem jungen Ableger auch dem Nachwuchs ein liebevolles Podium bieten. Sein Tod im Mai dieses Jahres kam auch für die Macher vom junge medien thüringen e.V. überraschend. Susanne Peter übernahm die Veranstaltungsreihe von Henryk Balkow und entwickelte ihr eigenes Konzept. Dazu gehörten auch die sonore Stimme des Sängers Literatur-Liebhabers Ryo sowie neue Räume für die Erfurter Spätlese.

Alle waren sich einig, dem Wegbereiter Michael John zu ehren ein Spätlese Spezial zu organisieren. Wie eh und je mit talentiertem Literatur-Nachwuchs auf einer liebevollen Bühne ohne große Hemmschwelle für junge Schriftsteller. Kein Autor soll dieses freundliche Rampenlicht scheuen müssen. Am 16. Dezember begrüßt Ryo die Gäste im Erfurter Club „Franz Mehlhose“ zu diesem besonderen Anlass. Er wolle selbst dazu beitragen, dem Autoren-Nachwuchs Mut zu machen, Texte aus geheimen Schubladen zu lüften und keine Angst vor Publikum zu haben. Ebenso wollen die Macher der Erfurter Spätlese aber auch neuem Publikum die weite Welt des Wortes öffnen, fernab von hochkulturellen Insel-Veranstaltungen.

Ryo und Norman Sinn haben das selbst durch. Die beiden Herzblüter für Literatur vertraten Thüringen bereits medienwirksam beim Bundesvision Song Contest vor großem Publikum. Beide sind nicht ausschließlich Musiker, sondern erst besonders im Laufe dieses Jahres literarisch und lesefreudig in Thüringen aktiv. Mit seiner musikalischen Lese-Tour „Ryo liest“ war der Zughafen-Musiker das ganze Jahr durch Deutschland unterwegs und verband
dabei eigene Songs mit den Kurzgeschichten von Anne Büttner, die ebenfalls als Autorin bei der Spätlese vertreten ist. Er selbst ist inzwischen ein Fan von Kurzgeschichten geworden. Ryo sieht in ihnen kleine Postkarten, die manchmal auch nur ein Gefühl oder kurzen Gedanken vermitteln. Bei seinen Lesungen arbeitet er wie ein Koch, der seine Entdeckungen in einem Menü mit Vorspeise, Hauptgang und Dessert zusammenstellt. „Ich verstehe mich aber nicht als Literaturkritiker, sondern sehe mich eher als Medium“, beschreibt er seine Rolle in der Welt der Worte mit einer angenehm tiefen und summenden Stimme, wie sie sich jeder Hörbuchverlag wünscht. Zur kommenden Erfurter Spätlese wird Ryo deshalb als Moderator die eigentlichen Bühnengäste einleiten, überleiten und abrunden. „Für viele war „Ryo liest“ die erste Lesung,
die sie erlebt haben, erinnert er sich. Ihm sei wichtig, jungen Leuten die Hemmungen nicht nur vor einem Auftritt, sondern auch dem Besuch und dem Zuhören zu nehmen, fokussiert er. „Viele sind überrascht, weil es eben nicht steif war und „sich Kultur antun“ nicht weh tut. Die haben die Augen zu, hängen ihren Gedanken nach und sind förmlich weg! Wie Urlaub.“

Als Vorlesender wird sein Partner Norman Sinn eigene, gereifte Verse in der „Franz Mehlhose“ vorstellen. Sein Programm besteht aus zwei Lesungen à zwanzig Minuten. Zum einen wird er Auszüge aus seinem lange in der Schublade verschollenem Gedichtband lesen, den er vor Jahren noch selbst in einer exklusiven Auflage von 10 Exemplaren hergestellt hat. Der zweite Teil besteht aus einer eigenen Kurzgeschichte, in der er seine Literaturerfahrung verarbeiten wird. „Doch am allerwichtigsten ist es mir, die Botschaft zu transportieren, dass das Buch der bessere Film ist.“, betont er im TA-Gespräch. Im Gegensatz zum Film, bei dem die Eindrücke nur so auf einen einprasseln, besitze die Literatur eine andere Wirkungsweise, die beim Hören oder Lesen eigene Bilder im Kopf verursacht, so Norman Sinn weiter. Neben der Aufgabe der persönlichen Entschleunigung der Zuhörer bei den Lesungen, steht die Erfurter Spätlese ganz im Sinne der Nachwuchsförderung. „Die Spätlese gibt dem Nachwuchs die Möglichkeit herauszugehen, um ihr Echo zu hören“, so Norman Sinn. „Es geht darum anzufangen, sich etwas zu trauen und zuzutrauen!“, ruft Ryo den Nachwuchs auf. Die Atmosphäre hierzu wird auch musikalisch getragen. Die „Filmmusik“ zum Kopfkino und den literarischen Genüssen kommt an diesem Abend live vom Erfurter Musikproduzenten „Mr. Kato“. Karten hierfür gibt es im Vorverkauf im Büro des Erfurter Herbstlese e.V. oder an der Abendkasse. Einlass ist 19 Uhr, 20 Uhr beginnt das Programm.

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